Schwacher Iman? Der Iman-Power-Booster! – Beitrag von Radio Uahid Bloggerin Léna

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    Schwacher Iman? Der Iman-Power-Booster! - Beitrag von Radio Uahid Bloggerin Léna

    Im Namen Allahs, des Allerbarmers und des Barmherzigen.
    Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten und aller Geschöpfe.

    Wer kennt es nicht: Qur‘an-Lesen, Salah, Ibaada, Sunnah, Du’a, Da‘wa, Sadaqa, alles fällt leicht in unserem Diin und unser Gemüt blüht auf im Schutze des Islams, wir sind erfüllt von Zufriedenheit und starkem Iman. Doch plötzlich wird das Leben beschwerlicher, Zweifel überkommen uns, unsere Sünden werden zur alltäglichen Last, wir vernachlässigen den Gottesdienst und unser Iman (innere Überzeugung) schwächelt. Wir merken, wie die Dunnya (Diesseits) in unser Herz fliesst, wie die Waswasa (Einflüsterungen) zunehmen und es greift unser Vertrauen in Allah und Seiner Barmherzigkeit an. Vielleicht geht es sogar so weit, dass wir den Fokus auf Fard-Handlungen (Pflichten) verlieren; nicht mehr beten und nicht fasten; Vermögen anhäufen, aber nicht spenden; uns schlecht benehmen und uns in der Gemeinschaft mit Geschwistern nicht mehr wohlfühlen; aggressiv und zänkisch, unzufrieden und undankbar werden (gegenüber Allah und der Ummah); uns selbst quasi nicht mehr erkennen. Die Süsse des Imans verwandelt sich in eine bittere Sosse aus Frust und Schlechtigkeit. Im schlimmsten Fall beginnen wir, uns mit weltlichen Dingen abzulenken, Allahs Anweisungen zu ignorieren und uns vom Islam abzukehren.

    Keine Panik! Vielleicht hat der eine oder andere schon einen solchen Tiefpunkt erlebt und weiss: Es ist eine Prüfung und sollte uns zurück zu Allah bringen. Das erste Anzeichen, dass wir doch nicht ganz „verloren“ sind, ist das Wahrnehmen unseres Zustandes. Wenn wir erkennen, dass wir schwach werden und befürchten, deswegen Allahs Anweisungen zu übertreten, ist es noch nicht zu spät. Wir sollten uns also mit den Gründen für unseren Zustand auseinandersetzen und die Veränderungen in unserem Verhalten und unserem Herzen stets beobachten.

    Ahmad berichtete, dass Umm Salama berichtete, dass der Gesandte Allahs (sas) sagte: „Oh Allah, festige mein Herz so, dass es bei Deinem Diin bleibt.“ Dann fragte ich: „Oh Gesandter Allahs, können denn die Herzen gewendet werden?“ Worauf er sagte: „Ja, das Herz eines jeden Menschen, den Allah geschaffen hat, hält Allah zwischen zweien Seiner Finger. Wenn Er will, führt Er das Herz auf den rechten Weg und wenn Er will, lässt Er es abwenden. Drum bitten wir Allah, unseren Rabb, dass Er unsere Herzen nicht von Ihm abkehren lassen möadsfasdfasdfge, nachdem Er uns rechtgeleitet hat. Und wir bitten Ihn, dass Er uns Barmherzigkeit von Ihm schenken möge, denn Er ist ja wahrlich der unablässig Gebende.“ (Tirmidhi)

    Manchmal geht es leicht und es soll unsere Aufmerksamkeit wieder mehr auf unseren Diin lenken, aber manchmal ist eine tiefgreifende Entwicklung nötig, um starre Blockaden in unserem Selbst zu meistern. Es gibt Pflanzen, deren Wurzeln selbst Steine sprengen können, wenn sie lange genug und beharrlich wachsen, indem ihnen die dafür nötigen Nährstoffe zugesetzt werden. Oder wie der Spruch sagt: Steter Tropfen höhlt den Stein. So kann man es mit dem (versteinerten) Herz eines Menschen vergleichen, der kontinuierlich Zufluss für seinen Iman benötigt, um festgefahrene Blockaden zu brechen und ein festes Fundament im Diin zu schaffen.

    Bei schwachem Iman können Waswasa und zweifelhafte Gedanken stark zunehmen. Diese können sehr verwirren und sogar so eindringlich sein, dass wir nicht mehr zwischen richtig oder falsch unterscheiden können und der Fitnah (Versuchung) verfallen oder unter Umständen Angst vor den Menschen, vor den Jinn oder vor Sihr (Zauberei) bekommen. Hier hilft meist nur noch das Kapital unseres Wissens und das Vertrauen auf Allah, um erstens negative Gedanken und Fitnah-Handlungen zu vermeiden und zweitens weil die Möglichkeit, Schaden von einem Menschen, von einem Jinn oder von Sihr zu bekommen, in den Händen Allahs liegt und nur Er diese von uns nehmen kann. Bei eindeutigem Befall ist Ruqya (Austreibung) gemäss den Vorgaben des Propheten (sas) angeraten.

    Die Gründe für einen schwachen Iman können sein:
    • Sünden, Ungehorsam gegenüber Allah
    • Nicht nach Wissen streben, Qur‘an und Ahadith nicht studieren, keine lehrreichen Bücher lesen
    • Gelehrte und Lehrer geringschätzen, kein Besuch von Dars (Lektionen) und Vorträgen
    • Ratschläge und Ermahnungen ablehnen und ignorieren
    • Lang andauernde Einsamkeit, keine Gesellschaft von Geschwistern
    • In einer unislamischen Umgebung leben, von starker Fitnah umgeben sein
    • Materielle Sorgen oder Gier nach weltlichen Gütern und Genüssen
    • Sich von den religiösen Pflichten ablenken lassen durch Familie, Ehepartner, Kinder, Hobby, Beruf usw.
    • Übermässiger/massloser Geschlechtsverkehr, Masturbation, Pornographie
    • Viel sprechen, viel lachen, viel essen, viel schlafen, viel unter Leuten sein
    • Schlechtes Benehmen, beschimpfen, streiten, diskutieren, fluchen, lästern, intrigieren, lügen usw.
    • Schlechte Charaktereigenschaften wie: Gleichgültigkeit, Rücksichtlosigkeit, Egoismus, Gewalt, Geiz, Unzufriedenheit (unbescheiden/undankbar), Selbstsucht, Selbstzufriedenheit, Hochmut, Heuchelei, „ich mache was ICH will/für richtig halte“ usw.
    • Ablenkung und Stimulation suchen (Konsumsucht) als Kompensation für die unterdrückte Fitrah (natürliche Veranlagung): Musik, Alkohol, Drogen, Sex (unehelich), Karriere, Luxus, Daseinsfreuden usw.
    • Sich auf ein langes Leben verlassen, sich nicht mit dem Tod und dem Jenseits befassen, Zeit verschwenden, „das Leben geniessen/auskosten“
    • Ungerechtigkeit und Unheil stiften oder ignorieren und nicht bemüht sein, Gerechtigkeit zu schaffen

    Al-Hakim berichtete in al-Mustadrak und at-Tabarani berichtete in al-Mu’jam (beide sahih überliefert), dass der Prophet (sas) sagte: „Der Glaube nutzt sich im Herzen eines jeden von euch ab, genauso wie Kleider sich abnutzen. So bittet Allah, den Glauben in euren Herzen zu erneuern.“

    Wie können wir also unseren Iman stärken?
    Wie schon erwähnt, ist es ganz wichtig, zu erkennen, dass man einen schwachen Iman hat und die Bereitschaft zu zeigen, dass man dies unbedingt ändern will. Mit dieser Einsicht sollte man dann als nächstes Tauba machen und bereuen, sich vor Allah niederwerfen und Ihn um Rechtleitung bitten. Ein Muslim, der zum Beispiel nie betet und beharrlich verbotene Dinge begeht, hat meist kein ausgeprägtes Gefühl mehr für Reue oder Beschämung und keinen Drang, zu beten oder Wissen anzueignen, um seine wissentlichen oder unwissentlichen Fehler/Sünden zu beseitigen, weshalb er weiterhin sündigt. Deshalb sollte man, wie schwach der Iman auch sein und wie viele Sünden man auch begehen mag, zumindest das Gebet beibehalten und vor Allah seine Schwäche eingestehen. Fatal wäre es, das Gebet zu unterlassen, den Sünden freie Bahn zu geben und es als selbstverständlich hinzunehmen, dass man schwach und sündhaft ist – oder noch schlimmer, die Sünden als halal anzusehen!

    Der Prophet (sas) sagte: „Wer von euch ein Übel sieht, soll es mit seiner Hand ändern (durch Handlung). Und wenn er nicht kann, dann mit seiner Zunge (sich dagegen aussprechen). Und wenn er nicht kann, dann mit seinem Herz (fühlen, dass es schlecht ist) und das ist die schwächste Form von Glaube.“ (Al-Bukhaari)

    Taten, die unseren Iman steigern:
    • Die oben genannten Gründe vermeiden
    • Fard-Gebete beibehalten und mit Sunnah ergänzen
    • An einem freien, ruhigen Tag fasten und vermehrt Sunnah/Ramadan fasten
    • Über den Qur’an und die Gleichnisse nachdenken
    • Über das Jenseits, die Belohnungen und die Strafen nachdenken
    • Über Allahs Namen und Seine Eigenschaften nachdenken
    • Über Seine Schöpfung nachdenken
    • Qur’an-Rezitationen hören, selbst rezitieren
    • Die Gesellschaft guter Muslime suchen, Rat holen und Vorträge besuchen
    • Halal Richtlinien und islamische Verhaltensregeln beachten
    • Demut vor Allahs Grosszügigkeit und Seinem Erbarmen
    • Allahs Rechtleitung und Vergebung erbitten
    • Selbstwahrnehmung, Selbstkritik und Bescheidenheit üben
    • Mit der aufrichtigen Niyyah (Absicht) im Herzen handeln
    • Dhikr (Gedenken), Du’a (Bittgebete), Hasanat (gute Taten) verrichten für Allah und gute Taten, selbst wenn sie unbedeutend erscheinen, nicht geringschätzen (die Belohnung dafür erhoffen!)

    Wenn man mit diesen Punkten das Wissen in der Aqidah festigt und Ibaada (Gottesdienst) übt bzw. verinnerlicht, dann wird man ein gutes Gleichgewicht für einen beständigen Iman schaffen, der auch in schwierigen Zeiten eine Basis für die innere Zufriedenheit bereitstellt und uns vor Unwissenheit oder Irrverständnis und die daraus resultierenden Übertretungen schützt in sha Allah. Es ist unsere Pflicht, alle Lobpreisung für Allahs Milde und Güte, dass Er unsere Brust für den Islam geöffnet hat, zu sprechen und Seine Religion in schönster Weise zu praktizieren! Und Allah weiss es am besten!

    In sha Allah seid ihr bei starkem Iman und sonst möge Allah meine Zeilen zu eurem Nutzen machen. Ich wünsche am kommenden Samstag, dem 04. Oktober 2014, allen Eid al-Adha Mubarak in bester Gesundheit und möge Allah unser Opfer annehmen! Amin.

    Anlässlich der guten Reaktionen auf meine Texte möchte ich mich bei der Leserschaft bedanken, die zum Erfolg des Newsblogs und von Radio Uahid beitragen und auch gilt mein herzlichster Dank den geliebten Schwestern, die mich mit ihren Ideen inspirieren und mir bei den Recherchen und den Texten helfen, BarakAllahu fiikum!

    Eure Schwester Léna

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    12 KOMMENTARE

    1. Ein wirklich sehr guter Artikel auch mit vielen Beispielen, die man beherzigen sollte. Jazakallahu khairan für diesen tollen Beitrag.

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