Islamophobie im Alltag einer Muslima – Offener Brief von Radio Uahid Bloggerin Léna

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Stopp Islamophobie & Rassimus

Angesichts der zahlreichen islamophoben Vorfälle, die sich in jüngster Zeit im deutschsprachigen Raum ereignet haben, möchten wir vom Radio Uahid Team in unserem Blog anhand eines weiteren, aktuellen Beispiels auf die Problematik der zunehmenden Islamophobie aufmerksam machen. Konkret hat sich in der Schweiz Folgendes zugetragen:

Eine Schwester, welche mit Kopftuch eine Lehrstelle in einer Apotheke sucht, wird abgewiesen, da der Apotheker keine Lernende einstellen würde, welche ein Kopftuch trägt. Eine sich bedeckende Frau würde seiner Aussage zufolge eine gesellschaftliche Stellung propagieren, welche er nicht akzeptiere. Der Apotheker verweist in seiner Mail darauf hin, dass im Koran nichts davon stünde, dass die Frau ein Kopftuch tragen müsse. Seine Frau sei auch Muslimin.

Unsere Bloggerin Léna nimmt in einem offenen Brief Stellung zu diesem Vorkommnis:

Sehr geehrter Herr Doktor (Name der Redaktion bekannt)

Ihre Nachricht hat mich als praktizierende Muslimin emotional tief getroffen. Ich gehe davon aus, dass das nicht Ihre Absicht war und nehme Ihre Stellungnahme mit Bedauern zur Kenntnis.

Von einem ehrenwerten, weltoffenen Doktor dürfte man zumindest erwarten, dass Sie auch meine Stellungnahme nun mit grosser Aufmerksamkeit lesen:

Zuerst einmal will ich gerne festhalten, dass Ihre Aussage ein stets wiederholter und pauschaler Irrtum ist, den Sie vermutlich bloss aufgegriffen haben. Das kann nicht Ihre eigene Meinung sein. Die „propagierte gesellschaftliche Stellung der Frau“, die Sie nennen, widerspricht wohl der allgemeinen Meinung, dass eine Frau sich erst halbnackt durch die Strassen bewegen soll, bevor Sie gesellschaftlich akzeptiert wird. Das habe ich verstanden.

Weiter lasse ich die Debatte, wie das „Kopftuch“ im Koran steht und deren Exegese, gerne aus. Sie dürfen gerne recherchieren. Ich behalte mir vor, dass ich als praktizierende Muslimin meine Religion den Islam und den Koran, im Gegensatz zu Ihnen, verstehe. So wäre es ebenfalls dreist von mir zu behaupten, ich wäre in Ihrer Profession gleichermassen bewandert wie Sie.

Nun möchte ich Ihnen gerne erklären, was es mit dem Kopftuch auf sich hat. Es ist ganz einfach. In einer Welt, wo die Frau als ein „freies, williges“ Objekt der Begierde plakativ zur Schau gestellt wird, ist es nur allzu klar, welche „gesellschaftliche Stellung der Frau“ Sie vertretend propagieren. Die muslimische Frau hingegen ist in ihrer Schönheit zu würdigen, weshalb sie sich nicht in unehrenhafter Weise zur Schau stellt und beschauen lässt. Das ist alles. Sie zieht sich gesittet an, bedeckt sich vor den Blicken und schützt sich selbst damit vor Sexualisierung und Sexismus. In diesem kontextuellen Verständnis steht es auch im Koran. Sprechen Sie sich also dafür aus, dass eine Frau gezwungen wird, sich auszuziehen? Sich für eine Lehrstelle bei Ihnen zu prostituieren?

Denken Sie einmal nach.

Dass eine kopftuchtragende Frau eben nicht der „gesellschaftlichen Stellung der Frau“ entspricht, welche Sie ihr zuschreiben, wird in der aktuellen Situation mit Ihnen umso deutlicher: Die Bewerberin in Ihrer Apotheke beweist nämlich grossen Mut, entgegen fehlender Akzeptanz selbstbewusst und konsequent für ihren Glauben einzustehen und sich nicht von gesellschaftlichen Zwängen einschüchtern zu lassen. Als anständige, verantwortungsbewusste und integrierte Mitbürgerin wird sie von Mitmenschen wie Ihnen unverschämt mit Füssen getreten, weil sie Kopftuch trägt. Sie haben Ihr Meinungsrecht, aber behalten Sie es für sich, weil es verletzend und herabwürdigend ist.

Ps: Richten Sie Ihrer Frau mit allem Respekt bitte aus, sie möchte doch einmal einen Imam (quasi ein Doktor im Islam) dazu befragen, ob Ihre Ehe vor Allah gültig sei und was im Koran denn dazu stünde. Ich nehme an, Sie sind kein Muslim, haben das Glaubensbekenntnis nicht abgelegt und haben auch nicht islamisch geheiratet.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute und Allahs Rechtleitung.
Freundliche Grüsse

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8 KOMMENTARE

  1. Ma sha Allah, was ein wunderschöner, durchdachter, gut strukturierter Text, gefällt mir sehr! Allahu Akbar! Gott segne Dich!

    Möge Allah all unseren ehrbaren Schwestern beistehen, ihre Bedeckung segnen und sie stets in solchen Vorhaben bestärken und unseren Glaubensgeschwistern allen das beste diesseitig und jenseitig vorschreiben! Möge Allah uns höchstrangig im Paradiese und am jüngsten Tage unter dem Schutzschirme Gottes vereinen und viele Menschen auf schönster Weise rechtleiten!

  2. MaschAllah diese Worte sprechen für viele Muslimas..!.Es ist echt krass..mit wie vielen Absagen man, in solchen Berufen zu kämpfen hat,..aber man muss auf Allah vertrauen!Nur Allah weiss, wo der Kheir lieeegt…Und Allah macht das möglich, was nicht möglich ist..Möge Allah es den Schwetsern erleichtern und ihren Mut und Selbstbewusstsein stärken amin

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