Was ist der Ramadan, wann beginnt und wie lange dauert er?

Ramadan ist der Name des neunten Monats im islamischen Mondkalender. Er beginnt mit der Sichtung des Neumondes am Ende des achten Mondmonats (Schaban) und endet mit der Sichtung des zehnten Neumondes im Mondjahr. In der Regel dauert der Ramadan dementsprechend 29 oder 30, je nach Zeitpunkt der Mondsichtung.

Wieso fasten die Muslime im Ramadan?

Das Fasten im Monat Ramadan zählt, neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Pilgerfahrt und der Zakah zu den fünf Säulen des Islams. Allah hat den Muslimen das Fasten im Quran an folgender Stelle als Pflicht auferlegt.

“O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.”
(Koran, 2:183)

Für die Muslima und den Muslim ist das Fasten ein Gottesdienst, also eine Handlung, die mit dem Ziel verrichtet wird, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und in der Hoffnung auf eine grosse Belohnung und ebenso grosse Vergebung durch Allah. Das Fasten ist ein Mittel zur physischen wie auch psychischen Reinigung, die zur reumütigen Rückkehr, zur Einsicht und schlussendlich zur Stärkung der Gottesfurcht führen soll.

Was ist auf keinen Fall der Sinn des Fastenmonats?

Leider haben sich unter Musliminnen und Muslimen diverse Verhaltensweisen und Gewohnheiten verbreitet, die nichts mit dem eigentlichen Sinn des Fastenmonats zu tun haben, ihm teilweise sogar widersprechen. Im Ramadan geht es nicht darum

  • Sein Körpergewicht zu verbessern
  • Prunkvolle Mahlzeiten zu kochen, zu konsumieren oder damit zu prahlen
  • Den ganzen Tag zu verschlafen und seine alltägliche Pflichten zu vernachlässigen
  • Die Zeit mit Fernsehserien, Videospielen oder auf sozialen Netzwerken zu vertreiben

Wer ist zum Fasten verpflichtet?

Jede Muslima und jeder Muslim, welche/r die Geschlechtsreife bzw. Pubertät erreicht hat, bei vollem Verstand (zurechnungsfähig) ist und keinen zulässigen Entschuldigungsgrund hat, ist verpflichtet, im Monat Ramadan zu fasten. Wer die Bedingungen erfüllt und trotzdem nicht fastet, begeht eine schwere Sünde.

Bei Kindern ist es empfohlen, sie ab ihrem siebten Lebensjahr mit dem Fasten vertraut zu machen und sie Schritt für Schritt an das tägliche Fasten im Ramanden zu gewöhnen.

Wie fasst man die Absicht zum Fasten?

Im Bezug auf die Absicht gibt es zwei Bedingungen. Zum einen ist eine korrekte und reine Absicht selbstverständlich die Grundvoraussetzung für ein gültiges Fasten. Ziel des Fastenden sollte es sein, durch die Erfüllung der Fastenpflicht Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Zum anderen muss man die Absicht rechtzeitig fassen. Rechtzeitig bedeutet, dass die Absicht an jedem Vorabend für den nächsten Fastentag gefasst werden muss. Vom Gesandten Gottes sas. wird diesbezüglich folgende Aussage überliefert:

Der Gesandte (sas) sagte: „Wer die Absicht zu Fasten nicht vor dem Einbruch von Fajr fasst, der hat nicht gefastet!“
(Ahmad, Ibn Khuzaymah und Ibn Hibban)

Worauf muss man während des Fastens verzichten?


Verhaltensregeln im Ramadan
Verhaltenregeln im Ramadan – Eine grafische Übersicht

Während der Fastenzeit sind Trinken, Essen, der Geschlechtsverkehr sowie alle anderen Taten, die das Fasten annullieren, zu unterlassen. Man muss aber bedenken, dass das korrekte Fasten im Ramadan sämtliche Sinne eines Menschen sowie auch seinen Geist umfasst. Die Augen sollen ihre Blicke nicht auf Verwerfliches richten, die Zunge nicht für schlechte Reden gebraucht und nichts Schlechtem Gehör geschenkt werden.  Ebenso sollen Herz und Gedanken sich dem Gedenken an und den Gebeten zu Gott widmen, anstatt sich in weltlichen Angelegenheiten zu verfangen. Folgende überlieferte Aussage des Gesandten sas. verdeutlicht dies:

„Es gibt Menschen, die fasten, und denen nichts von ihrem Fasten bleibt außer dem Hunger, und es gibt welche, die Qiyām beten, und denen nichts von ihrem Qiyām bleibt außer einer schlaflosen Nacht.“ (Ahmad 8693; Ibn Mājah 1690).

Was macht das Fasten ungültig?

Das Fasten wird durch verschiedene Arten von Handlungen gebrochen. Die erste Kategorie der fastenbrechenden Taten ist die orale bzw. anale Aufnahme von Substanzen in den Körper, unabhängig von deren Konsistenz und deren Nährwert. Darunter fallen auch Medikamente in Form von Pillen oder Tropfen, aber auch jegliche Formen des Rauchens. Werden nährwerthaltige Substanzen auf anderen Wegen dem Körper zugeführt, wie beispielsweise durch eine salzhaltige Infusion, ist das Fasten ebenfalls gebrochen. Spritzen  und Medikamente ohne Nährwert, wie zum Beispiel Impfungen, annullieren das Fasten nicht.

Absichtliches Erbrechen gehört zu einer weiteren Gruppe der Handlungen, die das Fasten brechen. Zur dritten Kategorie gehören der Geschlechtsverkehr bzw. der bewusst provozierte Orgasmus, beispielsweise durch Onanieren oder andere Formen der Selbsterregung.

Hierbei ist zu betonen, dass auch alleine die feste Absicht eine der oben erwähnten Taten zu begehen, das Fasten bricht bzw. es ungültig werden lässt, unabhängig davon ob man die Tat, die das Fasten bricht, tatsächlich begangen hat.

Das versehentliche Begehen der genannten Taten bricht das Fasten nicht. Sollte man beispielsweise in einem Moment der Vergesslichkeit etwas gegessen habe,  sind die allfälligen Reste im Mund sofort auszuspucken. Vom Prophet sas. wird diesbezüglich folgende Aussage überliefert:

Der Gesandte (sas) sagte: „Wer auch immer vergisst, dass er fastet und etwas isst oder trinkt, der soll sein Fasten vollenden, denn es ist Allah, der ihm Essen und Trinken gab.“
(Bukhari 1399, Muslim 1155)

Wie lange fastet Mann/Frau täglich?

Die Zeit des Fastens beginnt sobald das Morgengebet (Fajr-Gebet) verrichtet werden kann, nämlich mit dem Eintreten der ersten Morgendämmerung. Gefastet wird jeweils bis zum Sonnenuntergang, dem Zeitpunkt zum Verrichten des Abendgebets (Maghrib-Gebets). Bei üblichen Gebetskalendern können die entsprechenden Uhrzeiten aus den im Beispielbild markierten Spalten abgelesen werden.

Gebetszeiten

Wer hat eine Entschuldigung, im Ramadan nicht zu fasten?

Menstruierende Frauen und Frauen im Wochenbett dürfen nicht fasten. Schwangere und Stillende können auf das Fasten verzichten, sofern sie ernsthafte Bedenken hinsichtlich ihrer eigenen oder der Gesundheit des Kindes haben. Reisende haben ebenfalls die Möglichkeit, das Fasten auszusetzen. Sofern es zu keiner Erschwernis führt, ist das Fasten für den Reisenden erwünscht.

Von der Fastenpflicht befreit sind darüberhinaus alte Menschen und Personen die an einer akuten oder chronischen Erkrankung leiden. Leichte Gesundheitsbeschwerden wie etwa leichte Kopfschmerzen, Muskelkater, leichte Rückenleiden oder Krankheiten, auf die das Fasten keinen Einfluss hat (Hautausschläge, Schuppenflechten, Fusspilz etc.) dürfen aber nicht als Grund herangezogen werden, um nicht zu fasten. In lebensbedrohlichen Situationen ist das Fasten zu brechen.

Es gilt zu beachten, dass es für die verschiedenen Personengruppen, die von der Fastenpflicht befreit sind, unterschiedliche Regeln hinsichtlich der notwendigen Ersatzleistungen gibt. Detaillierte Informationen hierzu findet man u.a. hier.

Welche Literatur kann man jemandem empfehlen, der sich genauer mit den Geboten zum Fasten im Islam befassen möchte?

Für jene, die sich noch genauer über theologische Beweisführungen oder über Detailfragen informieren wollen, gibt es sowohl im Web als auch in Form von Büchern diverse Möglichkeiten. Folgende können empfohlen werden:

Und Allah weiss es am besten.

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