Die „verbotene“ Liebe – Beitrag von Radio Uahid Bloggerin Léna

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    Outing zum Islam

    „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“

    Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten und aller Geschöpfe.

    Als konvertierte Muslima finde ich es immer wieder spannend, die Geschichten von anderen Geschwistern zu hören und zu lesen, wie sie zum Islam gefunden haben. Interessant dabei finde ich die ähnlichen Erlebnisse, speziell wenn es um das Outen als Muslim geht. Wie auch in meinem Fall, wenn man zum Islam konvertiert ist, kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich vielleicht fragt: „Wie sag ich es meiner Familie, meinen Freunden? Wie werden sie reagieren?“. Wenn man sich diese Fragen stellt, ist dies ein Zeichen, dass man mit Zurückweisung rechnet. Nun, woher kommt dieses Tabu, diese Ablehnung, dieses „Verbot“?

    Mit dem Islam beginnt nicht einfach ein neuer Lebensabschnitt, wie Familie gründen oder ein Haus kaufen. Als Muslim beginnt man von Grund auf neu und löst sich immer mehr von den vertrauten Gewohnheiten und persönlichen Sichtweisen, die das ganze Leben und das ganze Denken beeinflusst, sowie sich in der gesamten Person manifestiert haben. Man wird quasi neugeboren, vervollständigt mit neuen Erkenntnissen und Einsichten. Es kann gut sein, dass diese Veränderung anderen Leuten nicht gefällt und nicht ihren Vorstellungen entspricht. Deshalb werden viele Muslime, die neu im Islam sind oder ihre Religion wieder praktizieren wollen, anfangs unsicher wegen den vielen – mitunter  gesellschaftlichen und familiären – Hindernissen, mit denen sie sich konfrontiert sehen. Sich zum Islam zu bekennen ist ein grosser Schritt und erfordert viel Mut.

    Das Leben wird mit dem Islam eine Zeit des stetigen Lernens, der Prüfungen, der Verantwortung und der Anstrengung auf dem Weg Allahs swt. (Jihad) und die Dunya ein Ort der Vergänglichkeit und des Übergangs, deren Genuss keinen Drehpunkt darstellt. Und gerade weil man sich von der Dunya gewissermassen „lossagt“, kann dies auf Unverständnis stossen. Allah (swt.) erklärt an vielen Stellen im Qur’an, weshalb man mit unangenehmen Reaktionen rechnen muss. Es liegt im Intellekt des Menschen, dass er sich für oder gegen etwas entscheidet und sich seine eigene Meinung bilden kann. Allah (swt.) appelliert deshalb an den Verstand und fordert zum Nachdenken auf, indem Er im Qur’an sagt:

    „Haben sie denn nicht gesehen?“ … „Verstehen sie denn nicht“… „Wollen sie denn nicht begreifen?“ … „Dies sind Zeichen für Leute, die nachsinnen.“ 

    Ein tiefes Verständnis ermöglicht unter anderem das nötige Selbstbewusstsein und die Überzeugung im Glauben um dafür einzustehen. Allah (swt.) gibt uns im Qur’an zudem die Anleitung über die natürliche Veranlagung des Menschen (der Fitra), deren Gestaltung und deren Sinn, wodurch wir einen guten Umgang mit deren Vielschichtigkeit und Diversität erlernen können.

    Jeder Mensch trifft seine freie Entscheidung aufgrund seines Wissens, seiner Überzeugung und seines Herzens. Es ist immer bemerkenswert, wenn jemand für seine Prinzipien alles opfert; Menschen, die sich für etwas einsetzen und ihr Leben dafür aufwenden. Man sehnt sich grundsätzlich nach Glückseligkeit und diese kann in allen möglichen Formen befriedigt werden. Wenn ein Mensch seine Zufriedenheit an das Leben und an seine Mitmenschen bindet, dann macht es für ihn keinen Sinn, dass der Glaube ihm darüber hinaus noch irgendetwas geben könnte und dies schon gar nicht in einer Religion, die mit Pflichten und Verboten daher kommt.

    Diese Ablehnung von Glauben und der Religion ist eben der massgebende Unterschied: Was den gläubigen Menschen ja gerade gläubig macht, ist die bedingungslose Liebe für den Schöpfer zu entdecken, anzunehmen und sich hinzugeben, über das Leben und über den Tod hinaus. Dann versteht man auch den Sinn von Din (Glaube/Religion). Das Einzige, das man dafür überwinden muss, ist das Selbst, das Ich, welches keine Autorität akzeptieren will, welches sich selbst liebt, so wie Iblis seine Eitelkeit und seinen Hochmut nicht überwinden konnte. Ist diese Schranke jedoch erst einmal überwunden, erkennt und versteht man die Fiṭra und gelangt zur Selbsterkenntnis.

    Es wird immer verschiedene Meinungen und Wertvorstellungen geben, das gehört zu diesem Leben dazu und es gibt diverse Methoden, damit umzugehen. Wenn jemand (Muslim oder Nichtmuslim) anderen Ansichten begegnet, müssen die Grenzen des Anstandes gewahrt werden. Unser Prophet Muhammad (s.a.s.) ist das beste Vorbild bezüglich solchen Situationen. Im Islam sind innere und äussere Lernprozesse – die insbesondere Moral und Ethik stärken – das beste Zeichen für Iman im Herzen und das „Ticket“ für die Rechtleitung, auch wenn sie vielleicht schwierig oder gar unmöglich erscheinen.“

    Wer nun auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll rechtschaffen handeln und beim Dienst an seinem Herrn (Ihm) niemanden beigesellen. {18:110}

    Schwester Léna Aseya

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