Die Uiguren sind ein muslimisches Volk, das auf verschiedene turkstämmige und mongolische Volksgruppen aus den Steppen Nord- und Zentralasiens zurückgeht. Sie leben heute vor allem im autonomen Gebiet Xinjiang, welches im Nordwesten Chinas liegt. Die Uiguren selber lehnen die Provinzbezeichnung Xinjiang ab und nennen diese Gebiet Ost-Turkestan. Die Bevölkerungsgrösse der Uiguren in China wird auf ca. 10 Millionen geschätzt, was einem Bevölkerungsanteil von weniger als 1% der chinesischen Gesamtbevölkerung entspricht. Darüberhinaus leben grössere uigurischen Gemeinschaften in Russland, Kasachstan sowie in kleinerer Anzahl auch in Kirgisistan, Usbekistan, der Türkei und Saudiarabien.

Provinz Xinjiang in China
Die Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas.

Das Volk der Uiguren zählt zu den ältesten turksprachigen Völkern Zentralasiens. Der Begriff „Uiguren“ als Volksbezeichnung für die in diesem Gebiet lebenden Menschen wurde offiziell erst 1921 auf einer Konferenz in Taschkent festgelegt. Die frühesten historischen Berichte über die Uiguren gehen auf das 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. Eine erste kurze Blützeit erlebte das uigurische Volk im 8. Jahrhundert, als es über ein grosses Königreich, ein sogenanntes Khaganat, entlang des Orhon Flusses in der heutigen Mongolei herrschte.

Bereits im 9. Jahrhundert wurde dieses erste Grosskönigreich von kirgisischen Völkern überrannt und ging unter. Im Laufe der darauffolgenden Migrationsbewegungen wanderten viele Uiguren in südwestliche Richtung in das Tarimbecken und das Gebiet rund um die Gebirgskette des Tian Shan aus. Mit dem Auszug aus den Steppengebieten wandelte sich auch ihr Lebensstil und die Uiguren entwickelten sich zu einem sesshaften Volk, welches in den vorgefunden Tälern und Oasen ein Netz an Siedlungen erbaute.

Im Laufe der Geschichte schufen sie an ihrem neuen Siedlungsgebiet erneut ein unabhängiges Königreich und nahmen im 10. Jahrhundert den Islam als ihre Religion an. Während auch dieses Königreich unter den heranstürmenden Mongolen nicht lange Bestand hatte und die danach folgenden Bestrebungen politische Unabhängigkeit zu erlangen, unter dem Einfluss angrenzender Grossmächte wenig erfolgreich waren, blühte das uigurische Volk unter dem Eindruck des Islams in kultureller Hinsicht auf. Trotz wiederholter Fremdbeherrschung, insbesondere durch chinesische Kaiserdynastien, brachte das Volk der Uiguren viele Islamgelehrte und Wissenschaftler aber auch begabte Künstler und Schriftsteller hervor.

Gründung der Republik Ost-Turkestan

Flagge der Republik Ost-Turkestan
Flagge der Republik Ost-Turkestan.

Die letzte kurze Phase der Unabhängigkeit erlebten die Uiguren im 20. Jahrhundert. Nach dem Fall der Qing-Dynastie im Jahre 1911, begann Xinjiang, welches unter chinesischer Okkupation bereits seit einigen Jahrzenten regelmässig von politischen Unruhen heimgesucht wurde, der chinesischen Kontrolle ganz zu entgleiten. Aufstände der einheimischen Bevölkerung und separatistische Bewegungen endeten im Jahr 1933 in der Ausrufung der unabhängigen Republik Ost-Turkestan. Ein Jahr später wird die Republik bereits wieder aufgelöst und danach nochmals im Jahr 1944 proklamiert. Mangelnde internationale Unterstützung und der Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee Ende 1949 setzen der uigurischen Unabhängigkeit ein vorläufiges Ende. Seitdem gehört die Provinz Xinjiang zur Volksrepublik China und erlangte 1955 den Status eines autonomen Gebiets.

Heutige Situation

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 führt der chinesische Machtapparat unter dem Vorwand eines „Antiterror-Kampfes“ eine erbarmungslose Politik gegen die freie Ausübung des islamischen Glaubens durch die Uiguren. Keine andere ethnische Gruppe in der Volksrepublik leidet so sehr unter der willkürlichen Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe sowie unter der Repression durch die chinesischen Sicherheitskräfte. Menschrechtsaktivisten und Nichtregierungsorganisatonen werfen Chinas Behörden schwere Menschenrechtsverletzungen in Ost-Turkestan vor.

Zu den gravierensten Beschränken, unter denen die Uiguren heute zu leiden haben, zählen folgende:

Imame werden eingesperrt & das Lernen religiöser Inhalte verboten

In der Provinz Xinjiang ist es niemandem erlaubt, den Quran ausserhalb einer Moschee zu lehren. Jugendlichen unter 18 Jahren ist es nicht erlaubt, eine Moschee zu betreten. Anderen Menschen irgendwelche islamische Lehren zu vermitteln, gilt als ein Verbrechen. Einen Quran zu Hause zu haben, ist ein Grund dafür, dass Uigurinnen und Uiguren belästigt und bedroht werden. Bereits für das friedliche Befolgen und Ausleben der islamischen Religion werden religiöse Führungspersonen und Aktivisten oft mit langen Haftstrafen bestraft.

Verbot gewisser muslimischer Namen

Das chinesische Regime hat in der Provinz Xinjiang gewisse muslimische Namen verboten. Oft kommt es vor, dass Sicherheitsbeamte von Haus zu Haus gehen und sicherstellen, dass keine der im Haushalt lebenden Personen einen von 22 verbotenen Namen hat.

Bart tragen steht unter Strafe

In der Provinz Xinjiang ist es keinem jungen Mann erlaubt, Bart zu tragen. Junge uigurische Männer, welche sich weigern, ihren Bart zu rasieren, werden belästigt, bedroht und eingeschüchtert. Es gab sogar einen Vorfall, bei dem ein Mann deswegen von der Polizei erschossen worden ist. Das chinesische Regime betrachtet das Tragen eines Bartes als Zeichen der Zugehörigkeit zu islamischen Extremisten.

Uighurischer Barbier
Uigurischer Barbier bei seiner Arbeit.

Zwang für muslimische Landwirte zu Dumping-Preisen zu verkaufen

Staatliche Verordnungen verpflichten uigurische Landwirte dazu, lokalen staatlichen Institutionen ihre Produkte unter den aktuellen Marktpreisen zu verkaufen. Dadurch sind viele Landwirte nicht mehr in der Lage, ihre Familien zu ernähren. Diese staatliche Repressionsmassnahme diente dazu, die uigurische Bevölkerungsschicht in grosser Armut zu halten.

Staat konfisziert Ackerland und Besitz von uigurischen Landwirten

Für Uiguren gehört es zum Alltag, durch das chinesische Regime enteignet zu werden und dadurch zum Beispiel ihr wertvolles Ackerland zu verlieren. Der konfiszierte uigurische Besitz wird schliesslich an chinesische Einwanderer, meistens ethnische Han-Chinesen, weitergegeben. Uigurische Frauen und Männer, welche dieses Vorgehen anprangern, werden oft ohne ordentliche Gerichtsverfahren wegen „Störung der ethnischen Einheit“ bestraft.

Zwangsarbeit für Erwachsene und Schulkinder

Uigurische Bürger werden dazu verpflichtet unbezahlte Arbeit zu leisten, auch hashar genannt. Verpflegung, Anreisekosten sowie medizinische Versorgung müssen von den Zwangsarbeitern selber bezahlt werden. Auch Familien ohne gesunde, arbeitsfähige Männer werden vom staatlichen Zwang, unbezahlte Arbeit zu leisten, nicht verschohnt. Es liegen Berichte vor, gemäss jenen in manchen Fällen 70-jährige Frauen und Männer sowie 12-jährige Schulkinder Arbeitsdienst leisten mussten. Um die Arbeiterquoten zu erfüllen, wurden auch schon uigurische Mittelstuffenschulkinder aus der Schuhle geholt und vom Unterricht suspendiert.

Händler werden verpflichtet Alkohol und Tabak zu verkaufen

Da religiöse Uiguren aufgrund ihrer Überzeugung auf den Konsum von Tabak und Alkohol verzichten, haben chinesische Behörden der Präfektur Hotan im Rahmen einer Kampagne zur „Schwächung der Religion“ Ladenbesitzer den Verkauf von Alkohol und Zigaretten vorgeschrieben. Diese Massnahmen sind Teil der staatlichen „Hart zuschlagen“-Kampagne, die in Tat und Wahrheit eine Kampagne gegen uigurische Musliminnen und Muslime ist.

Strafen für religiöse Beiträge auf Social Media

Das chinesische Regime überwacht auch die Onlineaktivitäten der uigurischen Jugend. Für religiöse Kommentare und Beiträge auf Social Media sowie für das Schauen von Videos mit islamischem Inhalt werden immer wieder junge Uigurinnen und Uiguren verhaftet. In diesem Zusammenhang kommt es häufig zu Razien in muslimischen Haushalten, bei welchen nach extremem oder „umstürzlerischem“ Material gesucht wird. Ein prominentes Beispiel ist die Verhaftung eines 15-Jährigen, der in einem solchen Verfahren zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren verurteilt worden ist.

Verbot der islamischen Vermählung (Nikah)

Im April 2014 haben chinesische Behörden ein Belohnungssystem ins Leben gerufen, in dessen Rahmen für Hinweise auf verbotenen religiöse Aktivitäten, wie etwa die Durchführung einer islamischen Vermählungszeremonie (Nikah) durch einen Imam, Prämien bis zu 50’000 Yuan (ca. 7500 USD) versprochen werden.

Fasten ist im Monat Ramadan verboten

Restaurants in der Präfektur Hotan ist es verboten worden, während dem heiligen Fastenmonat Ramadan zu schliessen. Arbeiter werden dazu gezwungen, an Propogandaveranstaltungen teilzunehmen, an denen der Atheismus vermitteln wird. Staatsangestellten, Studenten und Personen, die für die Partei arbeiten, wird eine Teilnahme bzw. das Praktizieren des Fastenmonats nicht erlaubt. Darüberhinaus werden in der Region gezielt verschiedene kulinarische Wettbewerbe und Veranstaltungen organisiert, um die Leute auf diese Weise zum Essen und Trinken zu zwingen.

Frauen werden zur Abtreibung gezwungen

Im Rahmen der chinesischen Ein-Kind-Politik wurden in gewissen Fällen schwangere uigurische Frauen noch im 9. Monat der Schwangerschaft dazu gezwungen, ihr Kind abzutreiben. Diese Politik wird in der Provinz Xinjiang noch immer auf brutale Art und Weise umgesetzt, sodass sich uigurische Frauen nicht selten dazu gezwungen sehen, ihr Zuhause zu verlassen.

Uiguren ist es nicht erlaubt, China zu verlassen

Im Jahr 2014 begannen die chinesischen Behörden in Hotan damit, die Bewegungs- und Reisefreiheit der Uigurinnen und Uiguren sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene durch Passrestriktionen einzuschränken. Diese Restriktionen wurden kürzlich noch verschärft, als die Polizeibehörden damit angefangen haben, die Pässe von Uigurinnen und Uiguren einzusammeln und zu verwahren. Zum heutigen Zeitpunkt ist es für Menschen der uigurischen Volksgruppe unmöglich ins Ausland zu reisen, da dies im Voraus eine polizeiliche Befragung erfordern würde, welche nicht selten mit einer Festnahme endet.

Menschen, die sich für die Rechte der uigurischen Bevölkerung einsetzen, riskieren in China lange Haftstrafen, Folter oder sogar den Tod. Eine unabhängige Berichterstattung über die Situation der uigurischen Bevölkerung wird von der chinesischen Regierung unterdrückt. Der in Deutschland ansässige „Weltkongress der Uiguren“ und zahlreiche Aktivisten aus der Gemeinschaft der Exil-Uiguren in der ganzen Welt führen einen unermüdlichen, zivilen Kampf für die Rechte der uigurischen Minderheit sowie für den Traum eines unabhängigen Staates.

Wer noch mehr über die Uiguren erfahren möchten, sollte sich unbedingt folgende Doku anschauen.

 

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