Sabr – Die Gabe der Geduld in Zeiten des Terrors – Beitrag von Radio Uahid Bloggerin Léna

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    Sabr - Die Gabe der Geduld

    Im Namen Allahs, des Allerbarmers und des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten und aller Geschöpfe.

    Anmerkung: Dieser Text gibt eine Anschauung wieder und behandelt diverse Quellen aus Qur’an, Sunnah und von Gelehrten. Möge Allah die Wahrheit darin zum Nutzen machen und vor dem Irrtum bewahren. Amin.

    Als Reisende im Diesseits endet für uns dieses Leben irgendwann mit dem Tod. Das heisst aber nicht, dass wir untätig abwarten, bis unsere Zeit abgelaufen ist, sondern wir gestalten die Welt aktiv und richten unser Leben gemäss unserem Deen nach den Geboten Allahs aus. Die Geduld ist dabei eine verpflichtende Eigenschaft des Muslims. Selbst zu Lebzeiten unseres Propheten (sas) mussten die Muslime in Geduld ausharren. Das müssen wir uns immer wieder unbedingt vor Augen führen, wie unser Prophet (sas) und die Muslime zu jener Zeit schwierige Situationen gemeistert haben. Nebst den Versen, in denen Allah zur Geduld ruft, gibt es zahlreiche Ahadith, welche die Arten der Geduld überliefern. Imam Ahmad sagte: „Allah hat im Qur’an die Geduld an 90 Stellen erwähnt.“

    Al-Qur’an Al-Kareem Surah 3 (Al-Imran) Ayat 200: „O ihr, die ihr glaubt, übt Geduld und wetteifert in Geduld und seid standhaft und fürchtet Allah; vielleicht werdet ihr erfolgreich sein.“

    Muslime begegnen heute anderen Herausforderungen, die Geduld erfordern. Wir leben in einer Ära, in der unsere Ummah zu einer kulturell vielfältigen Weltgemeinschaft heranwächst und stehen nicht mehr lokal, sondern vor global ineinandergreifenden Fragestellungen, wie wir als islamische Gemeinschaft einheitlich agieren sollen. Leider kommt hinzu, dass Islam als gewalttätige und bedrohliche Religion dämonisiert wird, weil fanatische Minderheiten nun bewusst das Bild des Islams prägen und schwächen sollen.

    Ja – Muslime begehen im Namen des Islams kriminelle Taten, dafür müssen sie mit strafrechtlichen Folgen rechnen und diese tragen; Kriminalität kennt jedoch weder Religion noch Rasse und darf deshalb nicht mit Fingerzeig polarisiert und pauschalisiert werden. Jeder kann für sich selbst entscheiden, welche Meinung er vom Islam haben oder wie er als Muslim leben möchte. Was aber darüber hinaus geht und die Identität oder die Existenz unschuldiger Menschen herabsetzt und gefährdet, da stellt sich dringend die Frage, was noch erduldet werden muss.

    Dass Muslime vor den Augen der Nationen unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung legalisiert zu Tausenden unschuldig attackiert, gefoltert und getötet werden, ist unerträglich und duldet kaum mehr die überdrüssige politische Arroganz, die vulgäre Meinungsfreiheit (Islamfeindliche Propaganda) und die Hetze penetranter Medien, welche den Islam weltweit zum Feindbild degradieren und jegliche Diplomatie und jeden Kompromiss der Muslime schon im Keim ersticken.

    Diese Umstände malträtieren das Dasein eines Muslims enorm, wenn er seine Religion als Frieden verstanden hat und dies im Einklang mit den bestehenden Grundgesetzen lebt, aber tagein tagaus auf taube Ohren und böse Zungen trifft, wie schlecht der Islam sei und dass er „bekämpft“ oder, mild ausgedrückt, eingeschränkt und kontrolliert werden müsse; das ist der anhaltende Fanatismus des Westens und nicht zuletzt auch ein Resultat der gespalteten muslimischen Gruppierungen, die sich gegenseitig zu Grunde richten. Ein Muslim sollte sich jedoch keinesfalls provozieren lassen und in gleicher Weise antworten, indem er sich dem Extremismus zuwendet und die Religion für Selbstjustiz und Terror missbraucht.

    Die Geduld ist eine Gabe von Allah und hält uns unter anderem davon ab, unüberlegt, voreilig und vielleicht ungerecht zu handeln. Sowohl im Gottesdienst, in persönlichen Erschwernissen und gegenüber unseren Geschwistern und Mitmenschen, als auch bei Provokation ist die Geduld massgebend und entscheidet über deren Auswirkung auf uns selbst, unsere Umgebung und die Gesellschaft. Wenn wir Unrecht sehen, welches wir nicht unmittelbar beseitigen können, kann diese Ohnmacht den äusseren und inneren Konflikt verstärken.

    Es ist nicht richtig, wenn wir unsere Emotionen unterdrücken und den Frust stauen. Diese sollten uns aber erst gar nicht befallen, denn die Verinnerlichung der Geduld ist essentiell für unsere innere Zufriedenheit und das daraus resultierende Verhalten. Die Reaktion zeigt den Grad unserer Geduld.Erst wenn Schwach- und Angriffspunkte in unserem Iman vorhanden sind, können diese provoziert und gesteigert werden. Geduld in der Religion beseitigt diesen Nährboden und bewirkt eine Standfestigkeit gegen Ungerechtigkeit und emotionale Auswürfe. Selbstverständlich dürfen wir aufgebracht oder traurig sein, aber sollten stets gut überlegen, wie wir reagieren, weshalb und wozu.

    Duaa bei Zorn:
    Audhu biAllahi mina Shaytan ar-rajeem
    (Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Shaytan.)

    Dua in Erschwernis:
    Laa Hawla wa laa Quwwata illah biAllah
    (Es gibt keine Kraft noch Macht ausser bei Allah.)

    Der Qur’an gibt Trost und Anleitung, denn der Muslim kann von dieser Welt nichts erwarten, sollte sich aber der Verantwortung für seine eigenen Taten und deren Folgen stets bewusst sein. Geduld heisst also nicht nur das Erdulden von Erschwernissen und Prüfungen, sondern auch Selbstkontrolle, Verantwortungsgefühl, überlegtes und konsequentes Handeln mit einer korrekten Niyyah (Absicht), Disziplin, Zielbewusstheit (Lohn von Allah), gerechtes Handeln (rechtschaffen) und allen voran die Besinnung auf die Worte Allahs im Qur‘an und Ahadith, welche unser Herz beruhigen, die innere Zufriedenheit festigen und einen Schutzmantel auf unsere Seele legen inshaAllah.

    BarakAllahu feekum
    Eure Schwester Léna

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