Die Geschichte eines Gelehrten wird von einem Imam wie folgt berichtet:

Ich kannte einmal einen jungen Mann, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und für seinen altersschwachen Vater sorgte. Jeden Tag, wenn der junge Mann von der Arbeit nach Hause kam, legte er seinen Tagesverdienst seinem Vater auf den Tisch, damit dieser sich davon nehmen konnte, was er zum Leben benötigte. Da der Prophet uns sinngemäss berichtet, dass die gebende besser ist, als die nehmende Hand, gab der junge Mann ihm das Geld nie selber in die Hand. Er wollte nicht, dass sein Vater dieses Geld als Sadaka ansieht und so verhindern, dass dies zu einem Grund wird, weshalb er sich schlecht fühlt. Auf diese Weise kümmerte sich der junge Mann während vielen Jahren um seinen Vater.

Eines Tages wollte Allah, dass dieser junge Mann auf seinem Heimweg auf einen grossen Gelehrten seiner Zeit traf und mit ihm ins Gespräch kam. Der Gelehrte fragte ihn schliesslich:
„Wie verbringst du den ganzen Tag mein Junge?“

Darauf antwortete der junge Mann:
„Ich verrichte täglich verschiedene Arbeiten, um den Lebensunterhalt für meine Familie zu verdienen.“

Der Gelehrte antwortete:
„Wenn du willst, kannst du einmal in der Woche zu mir kommen und ich lehre dich.“

Überrascht und zugleich überaus erfreut nahm der junge Mann dieses Angebot an. Die Jahre vergingen und es kam der Tag, an dem der besagte junge Mann den Doktortitel in Tafsir-Wissenschaften verliehen bekam. Als er in den Saal trat, um sein Diplom entgegenzunehmen, stand sein Lehrer aus Respekt auf, denn sein Schüler hatte im Verlauf der letzten Jahre nicht nur viel Wissen erworben, sondern auch an Taqwa/Gottersfurcht zugenommen. Sogleich fing der junge Mann an zu weinen.

Sein Lehrer fragte ihn:
„Warum weinst Du denn? Bist du so gerührt vom Respekt, den wir Dir entgegenbringen?“

Daraufhin erwiderte der junge Gelehrte:
„Ich weine wegen der Dua meines Vaters, die er für mich täglich machte. Jedes Mal wenn ich mein Geld auf den Tisch legte, sprach mein Vater folgendes Bittgebet:

O Allah, gewähre meinem Sohn Rizk/Versorgung, Wissen aus dem Koran und mache aus ihm einen grossen Gelehrten. Amin!

„Möge Allah seiner Seele barmherzig sein.“

Die Moral dieser Erzählung

Erstens ist die Güte zu den Eltern einer der vielen Wege, die im Dies- und Jenseits zur Glückseligkeit führen. Zweitens wird das Bittgebet einer Mutter bzw.eines Vaters für ihr Kind nicht verwehrt.

Hierzu gibt es eine authentische Überlieferung von unserem Propheten Muhammad (ﷺ). In dieser Überlieferung heisst es sinngemäss:

Es gibt drei Personen, bei welchen keine Zweifel bestehen, dass ihre Duas angenommen werden:
1. Dem Unterdrückten, welchem Ungerechtigkeit, Gewalt oder Unterdrückung widerfährt
2. Das Bittgebet eines Gastes
3. Die Bittgebete des Vaters und der Mutter für ihr Kind

(überliefert von: Bukhari, Abu Dawud,Tirmidhi, Abu Hurayra r.a.)

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