Kein anderer Ort auf dieser Welt wird so verehrt und ist für so viele Menschen heilig und zentral wie die Stadt Mekka. Gemessen an jedem objektiven Standard lässt sich sagen, dass dieses Tal in der Hijaz Region des heutigen Saudi-Arabien der berühmteste Ort der Welt ist.

In Mekka befindet sich im Zentrum der heiligen al-Haram Moschee die Kaaba. Die Kaaba ist ein Gotteshaus bzw. Gebetsstätte, welche durch die Propheten Ibrahim (as) und Ismail (as) erbaut wurde. Kaaba bedeutet Kubus bzw. Würfel und ist das zentrale Heiligtum des Islams. Das würfelförmige Gebäude ist eingehüllt in der sogenannten Kiswa, einem schwarzen Brokatstoff, der zusätzlich mit Koransuren aus Gold- und Silberdrähten in Form von Kalligraphien verziert ist.

Pausenlos umrunden tausende Menschen die heilige Kaaba. Über eine Miliarde Musliminnen und Muslime wenden fünfmal am Tag ihr Angesicht in Richtung Mekka, um ihr Gebet zu verrichten. Trotzdem gibt es viel Interessantes zu dieser Gebetsstätte, das wohl nur die Wenigsten kennen.

Hier eine Liste mit 10 erstaunliche Fakten zur Kaaba:

1. Zwei Türen und ein Fenster

Die ursprüngliche Kaaba hatte zwei Türen, eine als Eingang und eine andere als Ausgang. Für eine lange Zeitspanne hatte die Kaaba auch ein Fenster. Heute hat sie nur noch eine Tür und keine Fenster.

2. Bunt

Wir alle kennen die Kaaba in ihrem schwarzen Gewand mit den goldenen Kalligraphien. Dies war allerdings nicht immer so. Die Tradition, die Kaaba schwarz einzukleiden findet ihren Anfang in der Zeit der Abbasiden, deren Farbe die Farbe schwarz war. Davor wurde die Kaaba mit den verschiedensten Farben eingehüllt, darunter auch grün, rot und sogar weiss.

3. Offen für alle

Bis vor nicht allzu langer Zeit war die Kaaba zweimal wöchentlich für alle Menschenzugänglich, um in ihr zu beten. Aufgrund der rasanten Zunahme an Pilgerinnen und Pilgern sowie einiger anderer Faktoren wird die Kaaba heute nur noch zweimal jährlich für ausgewählte Gäste geöffnet.

4. Schlüssel zur Kaaba in der Hand einer Familie

Zur Zeit des Propheten (ﷺ) war jeder Aspekt, der mit dem Vollzug der Hajj-Riten in Verbindung stand, in den Händen von verschiedenen Untergruppen des in Mekka ansässigen Stamms der Quraish. Bis auf eine Ausnahme hat jede dieser Gruppen im Verlaufe der Zeit die Kontrolle bzw. die Aufsicht über ihren jeweiligen Ritus verloren. Einzig die Familie der Bani Shaiba hat die ihr zugesprochene Aufsicht bewahren können und ist bis heute für die Verwahrung der Schlüssel zur Kaaba verantwortlich.

Diese Aufgabe wurde ihr vom Propheten (ﷺ) nach der Eroberung von Mekka persönlich übertragen. Anstatt die erlangten Schlüssel zur Kaaba in seinem Eigentum zu behalten, übergab er (ﷺ) sie an Uthman Ibn Talha, einem Mitglied der Bani Shaiba Familie. Daraufhin hat der Prophet hat diese Rolle der Familie mit folgenden Worten bestätigt:

Nimm sie, O Bani Talha, für immer bis zum Tag der Wiederauferstehung und sie werden dir nicht weggenommen, es sei denn durch einen ungerechten, gewaltsamen Tyrannen.

Egal ob Kalif, Sultan oder König, die mächtigsten Männer der Welt mussten sich den Worten des Propheten (ﷺ) fügen und bei dieser kleinen mekkanischen Familie um Erlaubnis fragen, bevor ihnen der Zutritt zur Kaaba gewährt wurde.

5. Verschiedene Renovationen

Die Gestalt der Kaaba, wie wir sie heute kennen, entspricht nicht der Gestalt des Gebäudes, wie es in seiner Urform durch die Propheten Ibrahim und Ismail erbaut wurde.

Aufgrund natürlicher und durch Menschen verursachte Katastrophen waren über die Jahre verschiedene Renovationsarbeiten notwendig. So kennen wir beispielsweise alle den grossen Umbau während des Lebens des Propheten (ﷺ), noch bevor er zum Propheten wurde. Im Verlaufe der Zeit wurden praktisch in jedem Jahrhundert Renovationen vorgenommen. Eine solche fand das letzte Mal 1996 statt, wobei es sich um eine relativ umfassende Sanierung handelte. Viele Steine wurden ersetzt, das Fundament gestärkt und ein neues Dach gebaut. Aufgrund der Anwendung von moderner Technologie bei der Umsetzung dieser Renovation, sollte dies, so Gott will, für einige Jahrhunderte der letzte Umbau gewesen sein.

6. Kaaba schwimmend umrunden

Eines der Probleme, welche die situative Lage der Kaaba am Grunde eines Tals mit sich bringt, ist, dass massiver Niederschlag zu Überschwemmungen führen kann. Entgegen dem vielleicht vorherrschenden Eindruck, war dies im Verlauf der Geschichte in Mekka kein ungewöhnliches Ereignis.

Bevor das heute vorhandene Abwassersystem und andere Vorsorgemassnahmen installiert wurden, kam es vor, dass die Kaaba für mehrere Tage bis zur Hälfte unter Wasser stand. Hat dies die Musliminnen und Muslime aber davon abgehalten, ihren Tawaf zu machen? Natürlich nicht. Stattdessen haben sie angefangen, ihr Runden um die Kaaba schwimmend zu vollziehen.

7. Das Innere der Kaaba

Viele Fragen sich, wie es wohl im Inneren der Kaaba aussieht. Bis vor Kurzem konnte man sich hierzu nur auf Berichte aus zweiter Hand von jenen Glücklichen stützen, die die Möglichkeit hatten, das Innere der Kaaba zu besichtigen. So kam es, dass einer dieser glücklichen Personen seine Handykamera mitnahm und die Aufnahmen für Millionen sichtbar online stellte.

Wie auf den Aufnahmen zu erkennen ist, ist das Innere der Kaaba zum heutigen Zeitpunkt in Marmor eingefasst und ein grünes Tuch bedeckt die Decke. An den Wänden sind Tafeln zur Erinnerung an jene Herrscher befestigt, welche zu ihrer Zeit Renovationen oder Wiederaufbauten vorgenommen haben.

8. Das himmlische Gegenstück

Direkt über der Kaaba im Himmel befindet sich ein Gegenstück zu unserem Gotteshaus auf Erden, welches im Quran und vom Prophet (ﷺ) erwähnt wurde. Der Prophet (ﷺ) sagte in Bezug auf die Himmelsfahrt:

 Er (Gabriel) führte mich dann zum Lotosbaum am äußersten Ende, dessen Blätter wie die Ohren des Elefanten und dessen Früchte wie die Tongefäße aussahen. Als er (der Baum) aber von dem Befehl Allahs eingehüllt wurde, wurde er geändert, so dass niemand mehr unter den Geschöpfen Allahs ihn wegen seiner Schönheit beschreiben kann.

Sahih Bukhari & Muslim

9. Der schwarze Stein ist beschädigt/zerbrochen

Wieso befindet sich der schwarze Stein eigentlich in einer silbernen Hülle? Einige sind der Ansicht, dass er durch einen Stein beschädigt wurde, den die Armee der Ummayyaden während ihrer Belagerung Mekkas, zur Zeit der Herrschaft von Abdullah Ibn Zubair, abfeuerte.

Ein Konsens liegt hingegen diesbezüglich vor, dass der schwarze Stein im Mittelalter den grössten Schaden erlitten hat. Verursacht wurde er durch eine extreme, ketzerische Ismaili Gruppierung von Bahrain. Die Mittglieder dieser Gruppierung nannten sich Qarmaten. Sie waren der Ansicht, dass die Hajj ein Akt des Aberglaubens war. Um diesen Standpunkt kundzutun, haben sie zehntausende Pilger getötet und warfen ihre Leichen in den Zamzam-Brunnen. Als wäre dieser Akt der Grausamkeit und des Verrats nicht genug, nahmen sie den schwarzen Stein mit sich; zunächst in den Osten des heutigen Saudi-Arabiens und danach nach Kufa im Irak. Dort blieb der Stein, bis sie durch den abassidischen Kalifen gezwungen wurden, den Stein zurückzugeben. Zurück kam er jedoch nicht mehr als Ganzes, sondern zerbrochen in mehrere Teile.

Um den Stein wieder zusammenzufügen und ihn auch dauerhaft zusammenzuhalten, hat man ihn daraufhin in seine silberne Hülle eingefasst. Einige Historiker sind der Ansicht, dass es bis heute noch fehlende Teile gibt.

10. Kaaba ursprünglich nicht würfelförmig

Der berühmteste „Würfel“ der Welt war ursprünglich ein Rechteck. Es war nie geplant, dass die Kaaba in Form eines Würfels erbaut werden sollte. Im Original enthielt der Bauplan der Kaaba sogar eine halbkreisförmige Fläche, bekannt als Hijr Ismail.

Diese ursprüngliche Form ging verloren, als die Kaaba, kurz bevor der Prophet (ﷺ) seine erste Offenbarung erhielt, neu erbaut wurde. Damals beschlossen die Quraish, für den Wiederaufbau nur Geld zu verwenden, welches einen reinen Ursprung hatte. Geld, welches unter anderem durch Glücksspiele, Plünderung, Prostitution und Zinsen verdient wurde, durfte nicht für diesen Zweck verwendet werden. Sinnbildlich dafür, wie viele Sünden die Menschen zur Zeit der Quraish begannen, liess sich jedoch nicht genügend solch „reines“ Geld finden, um die Kaaba in ihrer ursprünglichen Grösse und Form wieder aufzubauen. Dies obwohl Mekka damals eine sehr wohlhabende Handelsstadt war. Folglich mussten sie sich mit einer kleineren Version der Kaaba zufrieden geben. Als Hinweis auf die Grösse, welche der Kaaba eigentlich zugedacht war, wurde eine Wand aus Lehmziegeln erbaut.

Gegen Ende des Lebens des Propheten (ﷺ) hatte er die Absicht, die Kaaba in ihrer originalen Grösse wieder aufzubauen, verstarb jedoch bevor er diesen Wunsch erfüllen konnte. Bis auf ein kurzes Intermezzo während der Herrschaft des Kalifen Abdullah Ibn Zubair, behielt die Kaaba die selbe Grösse und Form, wie zur Zeit des Propheten (ﷺ).

Die Geschichte der Kaaba ist keine Mythos der Vergangenheit. Bei der Kaaba handelte es sich um ein Symbol, welches alle Musliminnen und Muslime auf der Welt durch den Lauf ihrer Geschichte bis zum heutigen Tag miteinander verbindet. Auf diese Weise bringt uns die Kaaba auch mit unserer ruhmreichen und auch den weniger erfreulichen Kapiteln unserer Vergangenheit in Verbindung, aus welchen wir unsere Lektionen lernen mögen und das Verständnis bekommen sollen, dass wir Teil einer ewigen Mission sind. Zu einer Zeit, in der wir zunehmend die Verbindung zu unserer Geschichte aber auch zu einander verlieren, erinnert uns die Kaaba an unsere gemeinsame Herkunft. Dadurch vermag sie zwischen uns Muslimen eine Verbindung und ein Gefühl der geistigen Verbundenheit herzustellen. Sie ist ein Symbol der Einigkeit der Ummah, die sie selten so dringend gebraucht hat, wie sie es heute tut.

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